BÄÄÄÄM

Die deutschen Meisterschaften im 24h MTB Rennen am Alfsee sind vorbei, ich habe mit einem, für mich unglaublich tollen, 3. Platz das Rennen beendet, ich habe gekämpft, gelitten und geheult.
So ganz habe ich es immer noch nicht realisiert was ich da erreicht habe, aber da ein toller Pokal und der ein oder andere Sachpreis hier im Wohnzimmer stehen, wird das wohl doch passiert sein :-).

Alfsee, es heisst, wenn man sich da anmeldet, bucht man direkt unsägliches Wetter mit, schon eine Woche vor dem Event schaute ich täglich in den Wetterbericht für die dortige Gegend, erst sah es gut aus und wie es dann an den Renntagen wirklich aussah haben alle Teilnehmer gemerkt :D. Nun denn, es nutzt alles nichts, so erweiterte ich die Packliste um Regenkleidung und auch die Schutzbleche (die mal so gar nix bringen, wenn man genau DIESE Kiste vor der Kellertür stehen lässt).

Am Donnerstag trudelte ich am Alfsee sein, mit vereinten Kräften wurde das Lager aufgebaut, gegrillt, Renntaktiken besprochen, gechillt, geschnackt, die Bikes gecheckt, alles zurecht gelegt, wir hatten eine prima Zeit zusammen und Spaß gab’s reichlich dazu
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Vorab wurde die Strecke in Augenschein genommen, erst ‚Der Unnötige‘, hier die Metallbrücke, sehr rutschig wenn’s nass ist, dort der kleine spaßige Trail runter, hier der unspaßige Trail rauf, ah, die blöde Ecke wo die Bordsteine so komisch liegen, neu war eine Treppe, die man klassisch runterlaufen konnte, oder auch runterfahren (ich konnte oft nicht hingucken wenn die befahren wurde…) oder aber auch die Abfahrt neben der Treppe nehmen, die berühmt berüchtigte Nutellaschleife durfte auch nicht fehlen. Gefolgt von dem Windkanal, schnur geradeaus mit allem an Gegenwind was der Alfsee so zu bieten hat 😀 und das ist ne ganze Menge. Unterbrochen wurde dieser Abschnitt von drei Deichauffahrten, die sich für mich, kopfmässig, noch als Segen herausstellen sollten.
Nach der Kehrtwende an der anderen Seite vom See gab’s endlich den heißersehnten Rückenwind, YES!!
Wieder ein kleiner Trail, etliche Deich Auf- und Abfahrten, eine kleine und schmale Metallbrücke, zwei Bodenwellen und wieder ab in den Startbereich. Eine Runde hatte 11,5km mit 160hm (hatte aber nur knapp 80hm auf dem Tacho). Trotz des Regens der mittlerweile runter gekommen ist, war die Strecke in einem super Zustand, das sollte sich am Renntag natürlich noch ändern ;).

Nach dem Kampf an der Anmeldung (haben sie schon bezahlt? :D) und dem Erhalt eines T-Shirts, welches zu klein ist *pfeif* wurde die eigentliche Kampfbereitschaft hergestellt image
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Am Samstag kam dann, oh Wunder, es hat keiner mehr damit gerechnet :D, Wasser von oben, eine Menge Wasser…. so zog ich dann doch lieber das Regenzeug an, es wird darin zwar sehr warm, aber lieber so als durchnässt. Vor dem Start schaute ich noch kurz bei den DJs vorbei und bat darum, dass beim Start der Solofahrer Thunderstruck von AC/DC gespielt wird, ich liebe diesen Titel <3.
Dann wurde es auch Zeit sich in die Startaufstellung zu begeben, einreihen, noch ein paar Minuten inne halten, etwas trinken, trinken? Argh. Flaschen vergessen, zu unserem Lager an der Strecke laufen? Geht nicht mehr…. Naja, muss es eben eine Runde ohne trinken gehen, einen Platten darf ich auch nicht bekommen, denn das Pannenspray liegt neben den Flaschen :p.
Unser Startschuss erfolgte um 14.10h und die 100 Mann und Frau starke Truppe setzte sich in Bewegung, ganz gemächlich, wer soll uns denn schon hetzen? Wir haben ewig Zeit und ein 24h wird nicht in der ersten Runde entschieden, außerdem war da nach 200m der Unnötige (ein recht loser 2m hoher und 2m breiter Erdhaufen, nur mit gutem Schwung zu fahren, einfach unnötig :D, daher der Spitzname), kurz staute es sich dort, bevor man nach dem Unnötigen flüssig weiter fahren konnte.
Jetzt merkte man schon, dass der Regen Spuren an der Strecke hinterlassen hat, die Auffahrten wurden rutschig, die Abfahrten noch rutschiger, da sah man die ersten, die die Abfahrten runterpurzelten, also schlau sein und runterschieben, hilft aber auch nur bedingt, wenn man selber wegrutscht und den halben Hang runterpurzelt, außer etlichen blauen Flecken ist nichts passiert und zum Glück wurde die Strecke, nachdem es aufhörte zu regnen, wieder richtig richtig gut und griffig, so muss das :-).
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Nach der ersten Runde kamen endlich die Trinkflaschen ans Bike, diverse Utensilien in die Trikottaschen und ich konnte wieder auf die Strecke.
In der ersten Nachtrunde, es kühlte mächtig ab, muckte die Hinterradbremse, der Hebel ließ sich fast bis zum Lenker ziehen, zudem verlor ich fast den Akku der Magicshine, mehrmals musste ich den wieder festzurren *nervnerv*, dass die Schaltung auch muckte, sie war sehr schwergängig, erwähne ich noch nicht. Zum Glück waren Judith und Jens an der Strecke, kurz erklärt was mit der Bremse nicht stimmt, nahmen sie mir mein Bike kurzerhand ab, kümmerten sich darum, dass es wieder heil gemacht wird, so konnte ich die Zwangspause gut nutzen um zu essen und noch was anzuziehen. Merci dafür :-).
In der zweiten Nachtrunde kam die Müdigkeit, nach 10 Stunden Rad fahren kann das schon mal passieren :D. So machte ich nach der Runde eine Pause, in der Hoffnung dass es nur ein kleiner toter Punkt ist und ich nach ner halben Stunde wieder aufs Rad kann. Im Verpflegungszelt holte ich mir eine heiße Rindfleischsuppe (gibt nichts besseres :-)) und schaute nach den aktuellen Ergebnissen, die ich bis dato überhaupt noch nicht zu Gesicht bekommen habe, ich lag zu dem Zeitpunkt auf Platz 5, 10 Solofahrerinnen waren es insgesamt, beim Suppe essen bin ich das erste mal eingenickt, nach dem Suppe essen weckte mich Chris, die auch nach den aktuellen Ergebnissen schauen wollte.
Da ich echt todmüde war beschloss ich kurzerhand eine kleine Schlafpause einzulegen. Im Lager wurde ich von Susanne und Harald in Empfang genommen, in eine dicke Jacke gesteckt, hingesetzt, zwei Decken kamen dazu und ich bat darum mich in 2 Stunden zu wecken. Richtig geschlafen habe ich gefühlt nicht…
Um kurz vor 4h morgens hörte ich das Kikeriki von Susannes Wecker und kurz darauf ihre Stimme die mich leise ansprach, im Halbschlaf hörte ich dann dass meine Eltern auch eingetrudelt sind, ja, nachts um 4h morgens :D. Langsam kam ich zu mir, Merci ihr Lieben fürs wecken <3, und fror entsetzlich als ich die Nase nach draußen steckte, hilft alle nichts, ich wollte, ich musste wieder auf die Strecke, kurz zur Toilette, noch mehr frieren, wieder anziehen, die dicke Winterbikejacke anziehen, Bike nehmen, anderen Akku montieren und ab wieder auf die Strecke. Mittlerweile dämmerte es schon und durch das Fahren wurde mir schnell wieder warm.
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Bei so einem Anblick werden nicht nur die Beine wieder warm sondern mir wird ganz warm ums Herz, herrlich was die Natur für Farben zu bieten hat.
Während dieser Runde konnte das Licht endlich ausgeschaltet werden, zurück im Start Ziel Bereich rief mir Yasmin zu, dass für mich der dritte Platz drin ist! Diese Info musste ich erstmal verarbeiten, ich glaub aktuell lag ich auf dem vierten Rang…. die Lichtanlage habe ich abmontiert, mir von meiner Mutter Speis und Trank reichen lassen, 3. Platz…. das wäre doch mal was…. weiterfahren… nachdenken…. in den Körper hören…. weiterfahren…. realisiert, dass die Schaltung noch schwergängiger geworden ist…. bei B.O.C. richten lassen, vielen Dank :-)…. weiterfahren…. Ja, ich will den 3. Platz!!!! Unbedingt!!…. wenn da nicht wieder die Müdigkeit wäre…. die muss doch irgendwie wieder weggehen…. an der einen Deichauffahrt stand mein fotografierender Vater, ich glaub ich lege mich wieder hin, so für ne Stunde meinte ich zu ihm, überlege es dir, sagte mein Vater, wenn du jetzt schläfst, ist der Platz weg, wenn du den haben willst musst du fahren, durchfahren bis zum Ende. 7 Stunden waren es jetzt noch.
Schlafen? Pause? Weiterfahren? Was soll’s, pain is temporary, glory stays forever! Ab da kannte ich nur eine Richtung, nach vorne, go go go!!
Es begann die Hatz, Chris, auf Platz 3 liegend hatte 50 Minuten Vorsprung, nach gut 3 Runden habe ich überholt, schnell eine Toilettenpause, Mutter versorgte mich mit Essen, Joghurts war hier das Optimum, Energie und nicht viel Arbeit beim essen, für unterwegs habe ich Proteinriegel mitgenommen. So, dachte ich, ich bin jetzt auf Platz 3, das fahre ich jetzt ganz gechillt nach Hause.
Doch schon in der nächsten Runde bekam ich die Info, dass Mareike wieder auf der Strecke ist und Bombenzeiten fährt. Es wurde gerechnet, beobachtet, spekuliert, es war ca. 10h, 3 Runden musste noch fahren, dann bleibst du auf dem 3. Platz. 3 Runden, sollte zu schaffen sein. Merke, ich war seit 20 Stunden im Rennmodus, Po tat mittlerweile sehr weh, Knie fühlten sich dick an, meine Handgelenke fanden die Rüttelstrecke auch nur noch suboptimal, und dann eine Verfolgerin die mir jede Runde 15 Minuten abnahm. Zu allem Überfluss kam die Info, dass, wenn ich kurz vor 14h durch Start Ziel komme, und das sollte ich, muss ich, um wirklich 3. zu bleiben, noch eine Runde dranhängen….
Ich war da schon fix und foxi, total hinüber, müde, erschöpft, es tat so viel schon weh, und dann noch zwei extra Runden, ich hab echt geflennt, gut dass man das auch während der Fahrt machen kann, jeder Gedanke daran noch so viel fahren zu müssen löste wieder Tränen aus, ich tat mir selber furchtbar leid. Nutzt aber alles nix, fahren fahren fahren war die Devise, während ich zu Beginn die Streckenabschnitte die super ruckelig waren nicht mochte, so hasste ich jetzt den schnurgeraden Windkanal, gefühlt kam ich kaum vorwärts, da boten die Wiesenüberquerungen schon mehr Komfort 😀
Kurz vor 14h ging ich, begleitet von viel Applaus, auf meine letzte Runde, in der Hoffnung, dass ich gleich nicht von Mareike einkassiert werde.
Mareike kam nicht, dafür ein junger Mann, mit Warnweste bekleidet, ich fragte ihn ob er der Schlussfahrer ist, er bejahte das, da brach ich auch schon in Jubel aus. Ich habe es geschafft!!! DRITTE!!!!! TREPPCHEN!!!!! Wie super ist das denn?? Irre super!!! Irre toll!!! Das Gequäle hat sich gelohnt!!! Endlich im Ziel angekommen wurde ich direkt in Empfang genommen, ich wurde gedrückt, geherzt, mir wurde gratuliert. Ihr Lieben, ich hatte wieder Pipi in den Augen. Für euren motivieren und unterstützenden Zuspruch kann ich nicht oft genug danke sagen 🙂
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3. Platz mit 20 gefahrenen Runden (230km)
Die Strecke war schwerer als letztes Jahr, dennoch bin ich schnellere Runden gefahren 🙂 das strukturierte Training zahlt sich aus, danke Trainer 🙂
Während des Rennens habe ich gut 12l Wasser getrunken.
Hauptbestandteil meiner Verpflegung waren Bananen, Stracciatella Joghurts ❤ und Proteinriegel. Brötchen waren auch dazwischen, waren aber nicht erste Wahl da es recht lange dauert bis sie verzehrt sind.
Sitzcreme Sitzcreme Sitzcreme!!

Es war wieder ein supertolles Event!! Vielen Dank an die Orga und die vielen vielen Helferlein 🙂
Viele liebe Grüße an die zahlreichen Streckenbekanntschaften :-)!!
Vielen vielen Dank an euch alle, die mich unterstützt, motiviert und umsorgt haben, sich ums Bike gekümmert haben, als es nicht so wollte wie es sollte, mich so lieb im Camp aufgenommen haben, meine Füße in die extra Decke gewickelt haben. Vielen vielen Dank für den Zuspruch auf der Strecke, an der Strecke :-).
Herzlichen Dank für alles :*
Fotos sind u.a. von Thomas Gerstmann und Anke Birkenhauer.

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4 Antworten zu BÄÄÄÄM

  1. Anja Keller schreibt:

    Was für eine Leistung! Noch mal herzlichen Glückwunsch! 👍 … und dann auch noch Zeit für Fotos! Perfekt! Und ein toller Bericht. Danke

  2. Anja Keller schreibt:

    Wow! Herzlichen Glückwunsch! Das war echt eine Leistung. Respekt! 👍 … und dann auch noch so tolle Fotos! Danke für deinen Bericht

  3. Stefan schreibt:

    Hallo Michaela,
    ich missbrauche mal eben die Kommentare. Die Fotos von heute laden gerade hoch:

    MST_0371.jpg

    Irgendwie habe ich aber gar keine Mail-Adresse von Dir? Vielleicht schickst Du mir mal ne Mail, meine Adresse ist Teil des Kommentars.

    Wär toll, wenn Du einen Text hättest, den ich dann auch bei uns übernehmen könnte. Dann muss ich mir nicht selber was ausdenken 🙂

    LG
    stefan

  4. Jürgen schreibt:

    Hallo Michaela,
    super Bericht und super Leistung. Ich nehme dieses Jahr im Juni mit nem 4er Team teil und da haben mich deine Erfahrungen aus 2015 besonders interessiert. Danke für die Infos ☺, Grüße Jürgen (bist du mit ner „Verlinkung“ einverstanden?)

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